TJEBBE BEEKMAN wird mit seinem konzeptuellen Expressionismus in den Niederlanden gern als „deutscher Maler“ bezeichnet. Die Gebäude und städtischen Motive auf seinen Bildern sind labyrinthisch und unübersichtlich. Beekman thematisiert die „kapsuläre Zivilisation“ – das Phänomen, dass sich im modernen Stadtleben selbstständige Einheiten wie Einkaufszentren mit einer Vielzahl von Funktionen des täglichen Lebens herausbilden. Hier finden Aktivitäten wie Einkaufen, Essen, Sport und Entspannung unter einem Dach statt. Gedacht als komfortable Gesamtkonzepte, sieht der Künstler darin vielmehr ein Schreckensbild und den Verfall von Kultur. Das zeigt sich in der ruinösen und aggressiven Art, in der er seine Motive malt. Der Horizont fehlt auf seinen Bildern. In diesem Punkt bricht Beekman mit der holländischen Tradition, in der Luft und Licht oft eine sehr wichtige Rolle spielen. Beekman hatte 2008/09 eine Solo-Ausstellung im GEM – Museum voor Actuele Kunst in Den Haag.

ARJAN VAN HELMOND schließt mit seinem Interesse für Innenräume an die holländische Malerei des 17. Jahrhunderts an, wobei sein detaillierter Kolorismus eher an französische Maler wie Bonnard erinnert. Das Licht nimmt in seinem Werk einen wichtigen Platz ein, wenn auch in einer artifiziellen Form. Absichtlich stellt der Maler etwa die Reflexion eines Blitzlichtes in einem Innenraum dar und verweist damit auf ein photographisches Vorbild. Auch seine Technik, Gouache auf Papier, ist bestimmend für die blasse und entfremdende Wirkung des Lichts in seinem Werk. Gebäude, Innenräume und Möbel sind seine Hauptmotive. Das Werk zeigt geschlossene Räume, in denen die schweigenden Gegenstände (ein Teppich, ein Fliesenboden, ein Schrank mit Vasen) eine bedeutungsgebende Funktion übernehmen und ein Zeitbild evozieren. Die Innenräume porträtieren gleichzeitig den abwesenden Bewohner.

Für MICHAEL MARKWICK sind die altniederländische und flämische Malerei gleichermaßen wichtig wie das Werk von deutschen Meistern wie Dürer, Dix oder Beckmann. Vor allem Stiche und Holzschnitte dienen als Bezugspunkte für seine Ölbilder, in denen das Schwarz und die Kontur eine eigenständige Funktion übernehmen. Markwick kann als lockerster und expressivster Maler dieser Gruppe bezeichnet werden. Seine Gemälde entstehen aus der Bewegung und seiner Gemütslage heraus. Mit ihren Farben und dem abstrakt-figurativen Ausdruck erinnern sie an Willem de Kooning. Das Bild lässt sich, genau wie bei De Kooning, als „Container“ mit sehr widersprüchlichen Charakteristiken lesen: sinnlich und zugleich frech, gewalttätig und sensibel, dunkel aber auch hell in der Farbgebung. Markwick besitzt die niederländische und die amerikanische Staatsbürgerschaft.



LIDWIEN VAN DE VEN verfügt als Fotografin über ein malerisches Auge, das von den Motiven des holländischen 17. Jahrhunderts geprägt ist. Dieses Charakteristikum verknüpft sich bei ihr mit einem Interesse für die Wirkung von Bildern in der modernen Medienlandschaft. Die meisten ihrer Werke sind in Schwarz-Weiß gehalten und nutzen die damit möglich werdende Kontrastwirkung. Bei der Wahl ihrer Motive suchte sie oft die Distanz zur Heimat und wandte sich dabei vor allem nicht-westlichen Kulturen zu. Ihre Reisen in den Nahen Osten verband sie mit umfangreichen Recherchen über die politischen und religiösen Hintergründe. Dennoch sind das Ergebnis keine journalistischen Fotos. Im Gegensatz zu der Unmissverständlichkeit, die ein Pressefoto kennzeichnet, ist Van de Ven gerade an der Mehrdeutigkeit von fotografischen Bildern interessiert. Auch das, was fehlt, und der Kontext des Fotos sind dabei von Bedeutung. Im Zentrum ihrer Präsentation auf der documenta 12 standen in einem eigenen Raum im Fridericianum in Kassel die Folgen des Streits um die dänischen Mohammed-Karikaturen im Mittelpunkt. Ihre Fotos werden oft in Abzügen gezeigt, die durch Größe und Hängung an Werbeplakate erinnern.


MAARTEN JANSSEN schafft minimalistische und serielle Werke, die dennoch einen hoch poetischen Charakter besitzen. Damit reiht sich Janssen in eine holländische Künstlertradition, deren Protagonisten aus einem nüchternen Interesse an Ordnung und Systematik in ihren Arbeiten dennoch erhabene und leichtfüßige Töne anschlagen. Das Ziel der Malerei von Maarten Janssen besteht darin autarke Bilder zu schaffen, die sich der Interpretation entziehen und nichts als Fakten zu schaffen. Anknüpfend an die Tradition der Minimal Art versucht er die verordnete Objektivität: viereckig = neutral, grau = neutral, neutral = keine Charakteristiken, neutral = hygienisch, ohne Pinselstrich = cool, „ohne Titel“ = autonom, idealer Ausstellungsraum = leer, weiß und still, zu unterlaufen. “Ich versuche, mich anhand einer „prozessmatischen“ Objektivität diesen Dogmen zu entziehen.” Dazu verwendet der Künstler in Farbe getränkte Würfel und Farbdosen, die Entscheidungen auslösen. Indem er diese „Entscheidungsauslöser“ auf die Leinwand wirft und die Resultate, Schlieren, Streifen und Abdrücke mithilfe eines durchsichtigen Fixiersprays festhält, erzeugt er  einen Quadratmeter “Wahrheit”. Es entstehen Bilder, die an ihren Kanten enden und den Atem anhalten.

Als Preisträger des Vattenfall Kunstpreises Energie 2007 hat RONALD DE BLOEME in 2008 in der Berlinischen Galerie eine Auswahl seiner Gemälde vorstellen können. Der Künstler benutzt bunte industrielle Lackfarben für seine großen Querformate. Seine streifenartige Bilder gehen auf vorgefundene Motive, Logos, Anzeigen oder Warenverpackungen zurück. Stark abstrahiert, übersetzt er sie in flächige Malerei, die sich wie Textzeilen lesen lässt. Seine straffen, geometrischen Bilder erzeugen eine hohe visuelle Dichte. De Bloeme orientiert sich sowohl an Mondriaan, am Hard-edge painting sowie der Pop Art der 60er Jahre, die er in die Gegenwart übersetzt. In sein Werk fällt auch die Horizontalität auf. De Bloeme's Arbeiten sind streng und geometrisch in der Form und machen auf den ersten Blick einen abstrakten Eindruck. Dennoch liegt ihnen oft eine landschaftliche Ordnung zugrunde. In dieser landschaftlichen Orientierung verbinden sich seine Bilder mit den Werken von Mondriaan und De Kooning.


SIX ARTISTS / SECHS KÜNSTLER